
Kaum ein Hausmittel hinterlässt so klare Scheiben wie vergällter Alkohol aus der Drogerie. Wer mit Brennsprit putzen will, nutzt einen einfachen Vorteil: Die Flüssigkeit löst Fett und Kleber, verdunstet danach fast rückstandsfrei und hinterlässt keine Schlieren.
Genau diese Eigenschaft hat aber eine Kehrseite. Brennsprit ist leicht entzündbar, seine Dämpfe sind es ebenfalls, und auf Lack, Acrylglas oder Kunststoff richtet er bleibenden Schaden an. Diese fünf Anwendungen zeigen, wo sich der Einsatz lohnt – und welche Regeln dabei nicht verhandelbar sind.
Warum Brennsprit beim Putzen funktioniert
Brennsprit ist Ethanol, das mit Zusätzen ungeniessbar gemacht wurde – daher die Bezeichnung «vergällt». Alkohol löst Fette und viele Klebstoffe, mischt sich gleichzeitig mit Wasser und verdunstet rasch. Auf glatten Flächen bleibt deshalb kein Film zurück, der Licht streut. Das ist der ganze Trick hinter der streifenfreien Scheibe.
Was Brennsprit nicht kann: Kalk lösen. Dafür braucht es eine Säure. Und bei dickem, eingebranntem Fett ist eine alkalische Lösung die bessere Wahl. Brennsprit ist ein Spezialist, kein Allzweckreiniger.
| Gut geeignet | Besser nicht |
|---|---|
| Fensterglas, Spiegel, Glastische | Lackierte Möbel und Türen |
| Chromarmaturen, Edelstahl | Acrylglas, Plexiglas, Polycarbonat |
| Glatte Plättli und Glaskeramik | Weiche Kunststoffe, Displays mit Beschichtung |
| Kleberreste auf Glas und Metall | Leder, Kunstleder, geöltes oder gewachstes Holz |
1. Glas, Spiegel und Duschkabine streifenfrei putzen
Geben Sie eine kleine Menge Brennsprit ins kalte Putzwasser – wie viel, steht auf der Flasche; mehr wirkt nicht besser. Waschen Sie die Scheibe mit einem Schwamm, ziehen Sie das Wasser mit dem Abzieher in Bahnen ab und trocknen Sie den Rand mit einem Tuch nach.
Wichtig: Putzen Sie nie bei praller Sonne, sonst trocknet die Scheibe zu schnell. Bei beschichteten Duschgläsern und bei Isolierglas mit beschädigter Dichtung halten Sie sich an die Angaben des Herstellers. Weitere Kniffe finden Sie im Ratgeber Fenster putzen ohne Streifen.
2. Chrom, Edelstahl und Armaturen zum Glänzen bringen
Nach dem Entkalken bleibt auf Armaturen oft ein matter Film aus Seifenresten. Geben Sie etwas Brennsprit auf ein weiches Tuch, wischen Sie damit über die trockene Armatur und polieren Sie mit einem zweiten Tuch nach. Das Resultat ist ein Glanz ohne Wasserflecken.
Auf gebürstetem Edelstahl arbeiten Sie in Richtung der Schliffstruktur. Kunststoffteile an der Armatur sparen Sie aus, ebenso farbig beschichtete Oberflächen wie Schwarz matt oder Gold.
3. Kleberreste, Filzstift und Harz lösen
Etiketten auf Gläsern, Preisschilder auf Bilderrahmen, Klebeband am Fensterrahmen: Brennsprit weicht viele Klebstoffreste auf. Tränken Sie ein Wattepad, legen Sie es kurz auf, und schieben Sie den gelösten Kleber dann mit einem Kunststoffschaber weg.
Testen Sie vorher an einer verdeckten Stelle – bei lackierten Rahmen, Folien und Kunststoff kann der Alkohol die Oberfläche anlösen. Welche Methode zu welchem Untergrund passt, steht im Ratgeber Klebereste entfernen.
4. Glatte Flächen abwischen – und was Desinfektion wirklich heisst
Alkohol wird gern zum Abwischen von Türgriffen, Lichtschaltern oder Schneidebrettern empfohlen. Auf glatten, sauberen Flächen wirkt er tatsächlich, auf porösen und verschmutzten kaum. Und er ersetzt keine fachgerechte Flächendesinfektion.
Das BAG hält fest, dass gute Wohnhygiene wichtiger ist als das beste Putzmittel: regelmässig Staub entfernen, Oberflächen feucht abwischen und Essensreste rasch beseitigen. Desinfizierende Reiniger braucht ein durchschnittlicher Haushalt mit gesunden Personen laut BAG nicht.
Bei Schimmel auf glatten Silikonfugen greifen viele ebenfalls zu Alkohol. Das hellt den Belag auf, ändert aber nichts an der Ursache – mehr dazu im Vergleich Schimmel entfernen mit Alkohol, Chlor oder Peroxid.
5. Richtig lagern und entsorgen
Brennsprit gehört zu den Haushaltschemikalien, die Aufmerksamkeit verdienen. Cheminfo, das Chemikalienportal des Bundes, rät, vor dem Gebrauch die Gefahrenhinweise zu lesen und Produkte ausser Reichweite von Kindern aufzubewahren – idealerweise verschlossen und über 160 Zentimeter Höhe.
Die häufigsten Fehler
- In die Sprühflasche füllen: Der feine Nebel verteilt entzündbare Dämpfe im Raum und gelangt in die Atemwege.
- Auf Lack und Acryl anwenden: Lackierte Türen werden stumpf, Plexiglas bekommt feine Risse – das lässt sich nicht reparieren.
- Ohne Lüften arbeiten: Im geschlossenen Bad sammeln sich Dämpfe; Kopfschmerzen und Schwindel sind die Folge.
- Gegen Kalk einsetzen: Alkohol löst keinen Kalk. Dafür braucht es ein saures Mittel – aber nie gleichzeitig mit Brennsprit.
- Offen stehen lassen: Der Sprit verdunstet, und offene Flaschen sind für Kinder eine echte Gefahr.
Häufige Fragen
Ist Brennsprit dasselbe wie Spiritus?
Ja, die Begriffe meinen in der Schweiz dasselbe Produkt: Ethanol, das mit Zusätzen ungeniessbar gemacht wurde. Auf der Etikette finden Sie Angaben zu Konzentration, Gefahrenhinweisen und Anwendung – lesen Sie sie vor dem ersten Einsatz.
Wie viel Brennsprit gehört ins Putzwasser?
Halten Sie sich an die Angabe auf Ihrer Flasche. Eine höhere Konzentration putzt nicht besser, verdunstet aber schneller, riecht stärker und erhöht die Brandgefahr unnötig.
Kann ich mit Brennsprit den Bildschirm reinigen?
Besser nicht. Viele Displays und Brillengläser haben Beschichtungen, die Alkohol angreift. Verwenden Sie ein leicht angefeuchtetes Mikrofasertuch oder ein vom Hersteller empfohlenes Mittel.
Darf Brennsprit mit anderen Reinigungsmitteln gemischt werden?
Nein. Mischen Sie Reinigungsmittel grundsätzlich nicht, und kombinieren Sie Brennsprit auf keinen Fall mit chlorhaltigen Produkten wie Javelwasser. Wenden Sie Mittel nacheinander an und spülen Sie dazwischen gut mit Wasser nach.
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