
Der erste Eindruck einer Praxis entsteht nicht im Behandlungszimmer, sondern am Empfang: am Tresen, auf den Stühlen im Wartezimmer, am Lavabo in der Patiententoilette. Wer sich dort unwohl fühlt, nimmt diesen Eindruck mit ins Gespräch. Eine durchdachte Praxisreinigung ist deshalb weit mehr als «einmal durchwischen».
Gleichzeitig gelten in medizinischen und therapeutischen Praxen besondere Anforderungen. Dieser Ratgeber zeigt fünf Grundsätze für einen strukturierten Reinigungsplan in der Arztpraxis – übertragbar auf Zahnarzt- und Therapiepraxen. Er ersetzt keine fachlichen Hygienevorgaben: Massgebend sind die Richtlinien Ihrer Berufsorganisation, allfällige kantonale Vorgaben und der Hygieneplan Ihrer Praxis.
Warum die Praxisreinigung besondere Sorgfalt braucht
In einer Praxis kommen täglich viele Menschen zusammen, darunter auch geschwächte Personen. Dazu kommen Arbeitsplätze des Teams, Personalräume und Sanitäranlagen. Aus arbeitsrechtlicher Sicht gilt: Die SECO-Wegleitung zu Art. 37 ArGV 3 verlangt, dass Gebäude, Räume, Arbeitsplätze und sanitäre Einrichtungen sauber und in gutem Zustand gehalten werden.
Für medizinische Bereiche gehen die fachlichen Anforderungen darüber hinaus. Welche Flächen nach jeder Patientin oder jedem Patienten desinfiziert werden und wie Instrumente aufbereitet werden, legt die Praxis selbst in ihrem Hygienekonzept fest.
Je nach Praxistyp verschieben sich die Schwerpunkte. In einer Zahnarztpraxis stehen Behandlungseinheiten, Absauganlagen und Sterilisationsbereich im Vordergrund, die klar in der Hand des Praxisteams bleiben. In Physiotherapie- und Massagepraxen sind es Liegen, Trainingsgeräte, Matten und Garderoben. Psychotherapie- oder Beratungspraxen ähneln dagegen eher einem Büro mit Wartebereich. Der Reinigungsplan sollte diese Unterschiede abbilden, statt ein Standardraster zu übernehmen.
1. Unterhaltsreinigung und Desinfektion klar unterscheiden
Die beiden Begriffe werden oft vermischt:
| Unterhaltsreinigung | Desinfektion | |
|---|---|---|
| Ziel | Sichtbaren Schmutz, Staub und Rückstände entfernen | Keime auf bestimmten Flächen gezielt reduzieren |
| Typische Bereiche | Böden, Empfang, Wartezimmer, Büro, Küche, Sanitär | Behandlungsliegen, Arbeitsflächen im Behandlungsbereich, Instrumente |
| Mittel | Materialgerechte Reiniger, Mikrofaser | Zugelassene Desinfektionsmittel nach Hygieneplan |
| Zeitpunkt | Meist täglich, ausserhalb der Sprechstunden | Oft zwischen Patientenkontakten, durch geschultes Praxispersonal |
Wichtig: Eine gründliche Reinigung ist die Grundlage. Auf verschmutzten Flächen wirken auch Desinfektionsmittel schlechter.
2. Einen verbindlichen Reinigungsplan für die Arztpraxis erstellen
Ein schriftlicher Plan verhindert Lücken und Doppelarbeit. Er beantwortet für jeden Raum vier Fragen: Was? Wie oft? Womit? Von wem?
- Räume auflisten: Empfang, Wartezimmer, Behandlungs- und Therapieräume, Labor, Büro, Personalraum, Toiletten, Treppenhaus, Lager.
- Flächen und Objekte definieren: Böden, Tresen, Stühle, Türgriffe, Lichtschalter, Lavabos, Spiegel, Abfalleimer.
- Intervalle festlegen: täglich, wöchentlich, monatlich, jährlich (zum Beispiel Fenster oder Grundreinigung).
- Zuständigkeit bestimmen: Praxisteam oder Reinigungsdienst.
- Mittel und Methoden festhalten, inklusive der Produkte aus dem Hygieneplan.
3. Kontaktflächen und Wartezimmer im Fokus
Die meisten Hände berühren immer dieselben Stellen. Diese Flächen gehören in jeden täglichen Reinigungsdurchgang:
- Türgriffe, Lichtschalter und Liftknöpfe
- Empfangstresen, Kartenterminal und Stifte für Unterschriften
- Armlehnen der Wartezimmerstühle
- Spielecke und Spielsachen, falls vorhanden
- Armaturen, Spülknöpfe und Seifenspender in den Toiletten
- Garderobe und Schirmständer
Auch das Wartezimmer selbst spricht Bände. Weniger ist hier mehr: Zeitschriftenstapel, Stoffpflanzen und Dekoration sind Staubfänger und erschweren die Reinigung. Glatte, abwischbare Oberflächen sind leichter sauber zu halten.
4. Praxisreinigung ohne Keimverschleppung: Material und Sicherheit
Ein bewährtes Prinzip aus der professionellen Reinigung sind farbcodierte Tücher und Eimer. Zum Beispiel: Rot für WC und Urinal, Gelb für Lavabos und Fliesen im Sanitärbereich, Blau für Möbel und Büroflächen, Grün für Küche. Welche Farben Sie wählen, ist zweitrangig – wichtig ist, dass alle dasselbe System verwenden.
Weitere Grundregeln:
- Von sauber nach schmutzig arbeiten, also Toiletten zuletzt.
- Tücher nach jedem Raum wechseln und bei mindestens 60 °C waschen, sofern das Material es erlaubt.
- Mopps nie in Behandlungsräumen und Toiletten mit demselben Bezug verwenden.
- Personal schulen: Die Suva-Checkliste Reinigung und Unterhalt von Gebäuden nennt unter anderem Gefahrstoffe, rutschige Böden und Nassreinigung als Themen der Arbeitssicherheit.
5. Dokumentieren und die Qualität regelmässig prüfen
Eine einfache Dokumentation zeigt, dass der Plan gelebt wird.
Arbeiten Sie mit einer Reinigungsfirma zusammen, klären Sie vor Beginn einige praktische Punkte: Wer hat Zugang zu welchen Räumen? Welche Schränke, Geräte und Ablagen mit Patientenunterlagen dürfen nicht berührt werden? Wo stehen die Reinigungsmittel, und wer bestellt sie nach? Vereinbaren Sie ausserdem eine feste Ansprechperson und regelmässige kurze Rückmeldungen. So lassen sich Kleinigkeiten klären, bevor sie zum Ärgernis werden. Einen allgemeinen Überblick, welche Zonen in Geschäftsräumen täglich gereinigt werden sollten, bietet unsere Büroreinigung-Checkliste. Ergänzende Tipps für die Wintermonate finden Sie im Artikel Hygiene im Büro.
Häufige Fehler bei der Praxisreinigung
- Keine klare Aufgabenteilung: Jeder denkt, der andere habe die Türgriffe gereinigt.
- Ein Tuch für alles: Schmutz wandert vom WC an den Empfang.
- Reinigung während der Sprechstunde: Nasse Böden und Putzgeräusche stören Patienten und bergen Rutschgefahr.
- Zu viel Deko im Wartezimmer: Mehr Staubfänger, mehr Aufwand.
- Plan nie angepasst: Neue Räume oder Geräte fehlen im Plan.
Häufige Fragen
Was gehört zur Praxisreinigung?
Typischerweise die Unterhaltsreinigung von Böden, Empfang, Wartezimmer, Büros, Personalräumen und Sanitäranlagen sowie die Reinigung von Kontaktflächen. Welche Flächen zusätzlich desinfiziert werden und durch wen, regelt der Hygieneplan der Praxis.
Wie oft sollte eine Arztpraxis gereinigt werden?
In den meisten Praxen werden Böden, Sanitäranlagen und Kontaktflächen an jedem Arbeitstag gereinigt. Weitere Arbeiten wie Fenster oder Grundreinigung folgen in grösseren Abständen gemäss Reinigungsplan.
Darf eine Reinigungsfirma auch Behandlungsräume reinigen?
Ja, Böden und allgemeine Flächen in Behandlungsräumen können Teil des Auftrags sein. Die Aufbereitung von Instrumenten und die Desinfektion zwischen Patientenkontakten bleiben üblicherweise beim geschulten Praxispersonal.
Was gehört in einen Reinigungsplan für die Praxis?
Räume, Flächen, Intervalle, Zuständigkeiten, verwendete Mittel und Methoden. Ergänzt durch eine einfache Abhakliste und regelmässige Qualitätskontrollen.
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