
Das leichte Sommerkleid, die fliessende Bluse, das bunte Top: Viele Lieblingsstücke für warme Tage bestehen aus Viskose. Der Stoff fühlt sich kühl und weich an und fällt schön. Nach der ersten Wäsche erleben aber manche eine böse Überraschung, weil das Kleid plötzlich kürzer ist oder sich verzogen hat. Wer Viskose waschen will, muss vor allem eines wissen: Nass ist die Faser deutlich empfindlicher als trocken.
Ob Handwäsche oder Maschine, entscheidet das Pflegeetikett. Mit den folgenden fünf Regeln gelingt beides, ohne dass Ihre Lieblingsstücke einlaufen, ausleiern oder glänzende Stellen bekommen.
Warum Viskose so empfindlich ist
Viskose ist keine Naturfaser im klassischen Sinn, aber auch keine Kunstfaser aus Erdöl. Sie wird aus Zellulose hergestellt, meist aus Holz, das chemisch gelöst und zu neuen Fasern versponnen wird. Das Ergebnis ist weich, atmungsaktiv und nimmt Feuchtigkeit gut auf.
Genau diese Saugfähigkeit macht die Wäsche heikel: Viskose quillt im Wasser stark auf und wird dabei weniger reissfest. Zieht, reibt oder schleudert man den nassen Stoff kräftig, verformt er sich. Beim Trocknen zieht er sich wieder zusammen – und das Kleidungsstück ist danach womöglich kleiner oder schief.
| Was passiert | Häufige Ursache |
|---|---|
| Kleid oder Bluse eingelaufen | Zu warmes Wasser, Tumbler, hohe Schleuderdrehzahl |
| Stoff verzogen oder schief | Nass gewrungen, schwer nass auf den Bügel gehängt |
| Glänzende Stellen | Zu heiss gebügelt, direkt auf der rechten Seite |
| Starke Knitter | Volle Trommel, zu lange nass liegen gelassen |
Verwandte Fasern wie Modal oder Lyocell werden ebenfalls aus Zellulose gewonnen. Wie empfindlich sie sind, ist je nach Stoff verschieden – massgebend ist immer das Etikett.
1. Das Etikett lesen: Handwäsche oder Maschine?
Auf Viskose finden Sie häufig eines dieser Symbole: eine Hand im Bottich, einen Bottich mit 30 und zwei Balken oder – bei heiklen Stücken – einen durchgestrichenen Bottich. Die Pflegesymbole erklärt GINETEX, der internationale Verband hinter den Zeichen, auf seiner Verbraucherseite: Handwäsche bedeutet höchstens 40 °C, besser 20 bis 30 °C, ohne Reiben oder Wringen.
| Symbol auf dem Etikett | So gehen Sie vor |
|---|---|
| Hand im Bottich | Von Hand oder im Handwaschprogramm der Maschine |
| Bottich mit 30 und zwei Balken | Sehr schonendes Programm, kleine Beladung |
| Bottich mit 30 und einem Balken | Schonprogramm bei 30 °C |
| Durchgestrichener Bottich | Nicht waschen, chemische Reinigung |
Bei Stücken mit Futter, Pailletten, Stickereien oder Plissee ist Vorsicht geboten. Steht «nur chemisch reinigen» auf dem Etikett, bringen Sie das Stück besser in die Reinigung.
2. Viskose von Hand waschen
Die Handwäsche ist die sanfteste Methode und für empfindliche Stücke oft die beste Wahl.
- Ein sauberes Becken oder Lavabo mit kaltem bis lauwarmem Wasser füllen.
- Eine kleine Menge Feinwaschmittel darin auflösen, bevor das Kleidungsstück hineinkommt.
- Das Teil eintauchen und sanft durch das Wasser bewegen. Nicht reiben, nicht bürsten.
- Einige Minuten einweichen lassen, dann behutsam ausdrücken.
- Mit klarem Wasser gleicher Temperatur spülen, bis kein Schaum mehr erscheint.
- Das Wasser vorsichtig herausdrücken – niemals wringen oder verdrehen.
3. Viskose in der Maschine waschen
Erlaubt das Etikett die Maschine, wählen Sie das Hand-, Fein- oder Wollprogramm. Kalt bis 30 °C reicht für leicht getragene Sommerkleidung. EnergieSchweiz empfiehlt ohnehin, tiefe Temperaturen und Eco-Programme zu bevorzugen – bei Viskose schont das zusätzlich die Faser.
- Wäschenetz verwenden: Es schützt vor Reibung und davor, dass sich Träger oder Bänder verheddern.
- Klein beladen: Laut GINETEX sollen Sie bei schonenden Programmen die Beladung reduzieren. Die Teile brauchen Platz, um frei im Wasser zu schwimmen.
- Auf links drehen: So bleibt die Oberfläche glatter und Farben halten länger.
- Feinwaschmittel ohne Bleiche: Vollwaschmittel mit Bleiche kann Farben ausbleichen. Weichspüler braucht es nicht.
- Tief schleudern: Wählen Sie die niedrigste Drehzahl oder verzichten Sie aufs Schleudern.
Nehmen Sie die Viskose gleich nach Programmende aus der Maschine. In der Waschküche lohnt es sich, den Wecker zu stellen, denn nass zusammengedrückt entstehen tiefe Knitter.
4. Richtig trocknen: flach oder auf breitem Bügel
Nasse Viskose ist schwer und dehnt sich unter ihrem eigenen Gewicht. Wie Sie trocknen, hängt vom Stoff ab:
- Gewebte Blusen und Kleider: auf einen breiten, gepolsterten Bügel hängen, Nähte und Säume mit den Händen glatt ziehen.
- Jersey und Strick aus Viskose: flach auf einem Wäscheständer oder Tuch auslegen, damit nichts ausleiert.
- Nicht in den Tumbler: Wärme und Bewegung lassen Viskose einlaufen.
- Keine direkte Hitze: nicht auf der Heizung und nicht in der prallen Sonne trocknen.
5. Knitter entfernen mit Dampf oder Bügeleisen
Viskose knittert leicht. Oft genügt es, das Kleidungsstück ins Badezimmer zu hängen, während Sie duschen: Der Dampf glättet leichte Falten. Ein Dampfglätter wirkt ähnlich.
Beim Bügeln halten Sie sich an die Punkte im Bügeleisen-Symbol. Viskose bügeln Sie am besten leicht feucht, von links und bei mittlerer Temperatur. Legen Sie bei dunklen Stoffen ein dünnes Baumwolltuch dazwischen, damit keine glänzenden Stellen entstehen. Drücken Sie das Eisen eher auf, statt kräftig hin und her zu fahren.
Die häufigsten Fehler beim Viskose waschen
- Wringen: Das verdreht die nasse Faser, die Form ist danach oft dauerhaft verzogen.
- Mit Jeans und Handtüchern waschen: Schwere, raue Wäsche reibt an der empfindlichen Oberfläche.
- Zu warm waschen: Schon ein paar Grad mehr können reichen, damit Viskose einläuft.
- Nasse Kleider an dünnen Drahtbügeln: Die Schultern beulen aus, der Stoff dehnt sich.
- Flecken rubbeln: Tupfen Sie Flecken vorsichtig mit etwas Feinwaschmittel und testen Sie zuerst an einer unauffälligen Stelle.
Häufige Fragen
Kann man Viskose in der Waschmaschine waschen?
Ja, wenn das Etikett es erlaubt. Wählen Sie ein Hand-, Fein- oder Wollprogramm, kalt bis 30 °C, eine kleine Beladung, ein Wäschenetz und die tiefste Schleuderdrehzahl. Zeigt das Etikett einen durchgestrichenen Bottich, bringen Sie das Stück in die chemische Reinigung.
Warum läuft Viskose ein?
Die Zellulosefaser quillt im Wasser stark auf und zieht sich beim Trocknen wieder zusammen. Wärme, Reibung und kräftiges Schleudern verstärken das. Kühles Wasser, wenig Bewegung und Lufttrocknen verringern das Risiko deutlich.
Darf Viskose in den Tumbler?
Besser nicht. Die meisten Etiketten schliessen den Tumbler aus, und Wärme mit ständiger Bewegung ist eine Hauptursache für eingelaufene Viskose. Trocknen Sie liegend oder auf einem breiten Bügel an der Luft.
Wie bügle ich Viskose, ohne dass sie glänzt?
Bügeln Sie leicht feucht, von links und bei mittlerer Hitze, wie es das Etikett angibt. Bei dunklen Stoffen hilft ein dünnes Baumwolltuch zwischen Eisen und Stoff. Oft reicht auch schon Dampf, um Knitter zu glätten.
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