
Ein Stuhl wird über den Boden geschoben, ein Steinchen klemmt unter der Schuhsohle, der Hund rennt zur Tür – und schon ist er da: ein heller Kratzer im Parkett. In der Mietwohnung kommt schnell die Sorge dazu, was bei der Wohnungsabgabe passiert.
Die gute Nachricht: Viele Kratzer lassen sich mit einfachen Mitteln mildern oder ganz unsichtbar machen. Welche Methode passt, hängt von zwei Dingen ab: wie tief der Kratzer ist und ob Ihr Parkett lackiert oder geölt ist. Fünf Methoden zeigen, was Sie selbst tun können und wann eine Fachperson besser ist.
Warum Parkett Kratzer bekommt
Holz ist ein weicher Bodenbelag. Die häufigsten Ursachen sind:
- Sand und Splitt: Unter den Schuhsohlen wirken sie wie Schleifpapier, besonders im Winter.
- Möbel ohne Filzgleiter: Stühle, Tische und Regale, die verschoben statt angehoben werden.
- Bürostühle: Harte Rollen reiben die Oberfläche mit der Zeit matt.
- Haustiere: Krallen hinterlassen feine Kratzer, vor allem in Laufwegen.
- Spitze Absätze und herunterfallende Gegenstände: Sie verursachen Kerben und Dellen.
Für die Reparatur ist die Oberfläche entscheidend. Lackiertes oder versiegeltes Parkett hat eine geschlossene Schutzschicht; eine Beschädigung darin zeigt sich meist als weissliche Linie. Geöltes oder gewachstes Parkett hat offene Poren; die Beschädigung geht direkt ins Holz, lässt sich aber örtlich gut ausbessern. Ein einfacher Hinweis: Auf versiegeltem Parkett bleibt ein Wassertropfen in der Regel länger als Perle stehen, geöltes Holz dunkelt nach einer Weile leicht nach.
| Schaden | So erkennen Sie ihn | Passende Methode |
|---|---|---|
| Feine Oberflächenkratzer | Nur im Streiflicht sichtbar, mit dem Fingernagel nicht spürbar | Reinigen und Pflegemittel (Methode 2) |
| Kratzer im Lack | Weissliche Linie, Fingernagel bleibt leicht hängen | Retuschierstift oder Hartwachs (Methode 3) |
| Kratzer im geölten Holz | Helle oder graue Linie im Holz | Anschleifen und nachölen (Methode 4) |
| Tiefe Kratzer, Kerben, Dellen | Deutlich spürbar, Holzfasern verletzt | Hartwachs oder Fachperson (Methoden 3 und 5) |
| Grossflächig abgenutzte Laufwege | Matte, graue Zonen | Fachperson: schleifen und neu behandeln (Methode 5) |
1. Oberfläche bestimmen und den Kratzer reinigen
Bevor Sie etwas ausbessern, muss die Stelle sauber sein. Saugen Sie den Boden mit der Parkettbürste und wischen Sie die Stelle nebelfeucht mit dem Reiniger, der zu Ihrer Oberfläche passt. Sand oder Fett würden sonst eingeschlossen. Wie Sie lackiertes und geöltes Parkett richtig reinigen, zeigt der Ratgeber Parkett reinigen.
Sind Sie unsicher, welche Oberfläche Sie haben, fragen Sie die Verwaltung oder schauen Sie ins Übergabeprotokoll und in die Unterlagen des Herstellers. Testen Sie jede Methode zuerst an einer unauffälligen Stelle, etwa unter dem Sofa oder im Schrank.
2. Feine Kratzer: Pflegemittel statt Hausmittel
Was Sie mit dem Fingernagel nicht spüren, ist oft nur eine Frage der Pflege:
- Lackiertes Parkett: Ein Pflegemittel für versiegelte Böden legt einen dünnen Film auf, der feine Kratzer optisch füllt und den Glanz vereinheitlicht.
- Geöltes Parkett: Ein Pflegeöl oder eine Pflegeseife für geöltes Holz frischt die Oberfläche auf, und feine Kratzer treten zurück.
Tragen Sie die Mittel genau nach Herstellerangabe auf, meist verdünnt im Wischwasser oder dünn mit einem Tuch. Zu viel Pflegemittel bildet Schichten, die schmierig wirken und Schmutz binden.
Und die Walnuss? Das Einreiben mit einem Walnusskern ist ein beliebter Tipp. Auf dunklem, geöltem Holz kann das Öl einen hellen Kratzer etwas dunkler erscheinen lassen. Eine Reparatur ist das nicht, und auf lackiertem Parkett bleibt höchstens ein Fettfilm zurück.
3. Mittlere Kratzer: Hartwachs und Retuschierstift
Bleibt der Fingernagel hängen, braucht es Füllmaterial. Im Fachhandel gibt es Reparatursets mit Wachsstangen in verschiedenen Holztönen, einem Spachtel und oft einem Schmelzgerät:
- Den passenden Farbton wählen oder zwei Töne mischen.
- Das Wachs nach Anleitung schmelzen oder weich kneten und in den Kratzer drücken.
- Überschüssiges Wachs mit dem Spachtel bündig abziehen.
- Mit einem weichen Tuch nachpolieren.
Für feine Kratzer im Lack genügt oft ein Retuschierstift im Holzton, mit dem Sie die weisse Linie einfärben.
4. Kratzer im geölten Parkett nachölen
Geöltes Parkett hat einen grossen Vorteil: Es lässt sich stellenweise ausbessern.
- Die Stelle mit einem feinen Schleifvlies oder sehr feinem Schleifpapier leicht anschleifen, immer in Faserrichtung.
- Den Schleifstaub gründlich entfernen.
- Das passende Parkettöl dünn auftragen und nach Herstellerangabe einwirken lassen.
- Überschüssiges Öl vollständig abnehmen und die Stelle aushärten lassen, bevor Sie darüber gehen.
Lüften Sie während der Arbeit gut. Wie Sie geöltes Parkett im Alltag pflegen, lesen Sie im Ratgeber Geöltes Parkett pflegen.
5. Tiefe Kratzer und Wohnungsabgabe: wann die Fachperson kommt
Tiefe Kerben, Dellen oder grossflächig abgenutzte Laufwege lassen sich mit Heimwerkermitteln kaum sauber reparieren. Hier schleift eine Parkettlegerin oder ein Parkettleger den Boden ab und behandelt ihn neu. Wie oft das möglich ist, hängt von der Dicke der Nutzschicht ab – bei manchem Fertigparkett nur begrenzt.
In der Mietwohnung sprechen Sie grössere Reparaturen vorher mit der Verwaltung ab. Ein misslungener Versuch mit falscher Farbe oder falschem Mittel kann den Schaden vergrössern.
Häufige Fehler
- Nicht vorher reinigen: Schmutz wird mit Wachs oder Öl eingeschlossen.
- Falsches Mittel: Öl auf lackiertem Parkett zieht nicht ein und hinterlässt einen schmierigen Film.
- Zu dunkler Farbton: Der Fleck fällt stärker auf als die Spur davor.
- Grossflächig selbst schleifen: Ohne Erfahrung entstehen Mulden, und die Nutzschicht wird unnötig dünn.
- Öllappen im Abfall: Nicht getränkte Lappen können einen Brand auslösen.
Häufige Fragen
Kann ich Kratzer im Parkett selbst reparieren?
Feine und mittlere Kratzer ja: mit Pflegemittel, Hartwachs, Retuschierstift oder, bei geöltem Parkett, durch Anschleifen und Nachölen. Tiefe Kerben und grosse Flächen überlassen Sie besser einer Fachperson.
Hilft eine Walnuss gegen Kratzer im Parkett?
Auf dunklem, geöltem Holz kann das Öl der Walnuss einen hellen Kratzer etwas kaschieren. Eine Reparatur ist das nicht, und auf lackiertem Parkett bringt es kaum etwas.
Muss ich Kratzer im Parkett bei der Wohnungsabgabe bezahlen?
Mietende haften nur für übermässige Abnützung und nur für den Zeitwert. Was als normale Abnützung gilt, wird oft anhand der paritätischen Lebensdauertabelle beurteilt. Im Streitfall helfen Mieterverband oder Schlichtungsbehörde.
Wie verhindere ich neue Kratzer im Parkett?
Filzgleiter unter Möbeln, weiche Rollen unter dem Bürostuhl, eine Schmutzfangmatte am Eingang und regelmässiges Saugen von Sand und Splitt verhindern die meisten Kratzer.
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