
Draussen ist es kalt, drinnen läuft die Heizung – und das Fenster zu öffnen fühlt sich an, als würde man Geld zum Fenster hinauswerfen. Viele lüften deshalb im Winter zu wenig oder lassen das Fenster den ganzen Tag gekippt. Beides kann Folgen haben: beschlagene Scheiben, feuchte Ecken und im schlimmsten Fall Schimmel. Wer richtig lüften im Winter will, braucht keine komplizierte Technik, sondern ein paar klare Regeln.
In unserem Reinigungsalltag sehen wir im Januar und Februar deutlich mehr schwarze Punkte an Fensterdichtungen und Silikonfugen als im Sommer. Fast immer spielt die Gewohnheit beim Fensteröffnen eine Rolle. Die folgenden fünf Regeln basieren auf den Empfehlungen von BAG, EnergieSchweiz und HEV Schweiz.
Warum Lüften im Winter so wichtig ist
In jedem Haushalt entsteht täglich Feuchtigkeit – durch Atmen, Kochen, Duschen, Wäsche und Pflanzen. Im Sommer entweicht vieles über offene Fenster. Im Winter bleiben die Fenster zu, und die feuchte Raumluft schlägt sich an den kältesten Stellen nieder: an Fensterscheiben, Aussenwänden, Ecken und hinter Möbeln.
Das BAG weist darauf hin, dass Schimmel ungesund ist, rasch entfernt werden sollte und immer die Ursache der Feuchtigkeit gefunden werden muss. Richtiges Lüften ist die einfachste Vorbeugung. Gleichzeitig bringt Frischluft Sauerstoff und transportiert Gerüche und Schadstoffe ab.
Die gute Nachricht: Kalte Winterluft enthält wenig Wasser. Wird sie drinnen erwärmt, kann sie viel Feuchtigkeit aufnehmen und beim nächsten Fensteröffnen wieder nach draussen tragen. Kurzes Lüften ist im Winter deshalb besonders wirksam.
1. Stosslüften statt Kippfenster
Die wichtigste Regel: Fenster ganz öffnen. Das BAG empfiehlt in seinen Hinweisen zu korrektem Lüften und Heizen, die Fenster vollständig zu öffnen und wenn möglich querzulüften.
| Methode | Austausch | Wärmeverlust | Unsere Einschätzung |
|---|---|---|---|
| Querlüften (gegenüberliegende Fenster offen) | Sehr schnell | Gering bei kurzer Dauer | Ideal |
| Stosslüften (ein Fenster ganz offen) | Schnell | Gering bei kurzer Dauer | Sehr gut |
| Kippfenster über Stunden | Langsam | Hoch, Wände kühlen aus | Vermeiden |
Beim Kippfenster kühlt vor allem die Laibung rund ums Fenster stark aus, während kaum Raumluft ausgetauscht wird. Genau dort bildet sich dann Kondenswasser. Auch der HEV Schweiz rät von dauerhaft gekippten Fenstern ab.
2. Lüften im Winter: Wie oft und wie lange?
EnergieSchweiz empfiehlt, dreimal täglich 5–10 Minuten zu lüften. Das BAG nennt für die Heizsaison mindestens fünf Minuten. Der HEV empfiehlt ebenfalls, dreimal täglich 5–10 Minuten mit Durchzug zu lüften.
Praktisch heisst das:
- Morgens nach dem Aufstehen: alle Räume, besonders das Schlafzimmer.
- Mittags oder am Nachmittag: wenn jemand zu Hause ist.
- Abends vor dem Schlafengehen.
- Zusätzlich: direkt nach dem Duschen, Baden, Kochen und Wäscheaufhängen.
Bei sehr tiefen Temperaturen und starkem Wind reicht oft die kürzere Dauer, bei milden, windstillen Tagen darf es etwas länger sein. Ein Hygrometer zeigt Ihnen, ob Ihr Rhythmus passt.
3. Heizung und Raumfeuchte im Gleichgewicht
Lüften und Heizen gehören zusammen. Ein paar Grundsätze helfen, ohne unnötige Energie zu verlieren:
- Heizkörperventile bei offenem Fenster schliessen, damit die Heizung nicht gegen die Kaltluft anarbeitet, und danach wieder öffnen.
- Räume nicht komplett auskühlen lassen: Kalte Wände ziehen Feuchtigkeit an.
- Türen zu weniger beheizten Räumen geschlossen halten, damit warme, feuchte Raumluft nicht in kühle Zimmer strömt.
- Heizkörper frei halten: Keine Möbel oder langen Vorhänge davor.
Die relative Feuchte sollte laut HEV in der Heizsaison bei 30–50 % liegen, an sehr kalten Tagen eher unter 40 %. Ist die Raumluft zu trocken, empfiehlt EnergieSchweiz, zuerst die Raumtemperatur etwas zu senken – denn Warmluft ist trockener. Bei zu hohen Werten helfen die Tipps aus unserem Ratgeber Luftfeuchtigkeit in der Wohnung senken.
4. Schlafzimmer, Bad und Küche gezielt lüften
Nicht jeder Raum braucht dasselbe.
- Schlafzimmer: Über Nacht geben wir viel Feuchtigkeit ab. Morgens zuerst lüften, Bettdecke zurückschlagen. Das Schlafzimmer darf kühler sein, sollte aber nicht auskühlen.
- Bad: Nach dem Duschen sofort lüften, Tür zum Rest der Wohnung geschlossen halten, Duschwand abziehen. Ein Bad ohne Fenster braucht einen funktionierenden Ventilator mit sauberem Gitter.
- Küche: Beim Kochen Deckel verwenden, Dampfabzug einschalten und danach kurz stosslüften.
- Wohnzimmer: Regelmässig lüften, besonders wenn Besuch da ist oder Kerzen brennen.
Schränke und Sofas an Aussenwänden stellen Sie mit einigen Zentimetern Abstand auf, damit die Raumluft dahinter zirkulieren kann. Mehr dazu in Schimmel hinter Möbeln vorbeugen.
5. Warnzeichen erkennen und reagieren
Auch wer gut lüftet, sollte die Wohnung im Winter im Auge behalten.
Beschlagen die Scheiben regelmässig, finden Sie Ursachen und Lösungen in Kondenswasser am Fenster innen.
Häufige Fehler beim Lüften im Winter
- Fenster dauerhaft gekippt: Hoher Wärmeverlust, kaum Austausch.
- Nur einmal am Tag lüften: Die Feuchtigkeit sammelt sich über den Tag an.
- Heizung bei offenem Fenster voll aufgedreht: Energie geht direkt nach draussen.
- Wäsche im Wohnzimmer trocknen, ohne zu lüften: Grosse Mengen Wasser in der Raumluft.
- Bad-Tür nach dem Duschen offen: Feuchtigkeit verteilt sich in kühlere Räume.
- Möbel dicht an der Aussenwand: Dahinter bleibt es kalt und feucht.
Häufige Fragen
Wie lange sollte man im Winter lüften?
EnergieSchweiz empfiehlt dreimal täglich 5–10 Minuten Stoss- oder Querlüften. Bei sehr kalten Temperaturen reichen oft einige Minuten, weil der Austausch dann schneller ist.
Ist ein gekipptes Fenster im Winter schlecht?
Ein dauerhaft gekipptes Fenster tauscht wenig Raumluft aus, kühlt aber die Wand rund um das Fenster stark aus. Das erhöht den Energieverbrauch und begünstigt Kondenswasser. Besser ist kurzes Stosslüften.
Wie lüfte ich das Schlafzimmer im Winter richtig?
Morgens direkt nach dem Aufstehen das Fenster weit öffnen und die Bettdecke zurückschlagen. Abends vor dem Schlafen nochmals kurz lüften. Das Zimmer darf kühl sein, sollte aber nicht komplett auskühlen.
Welche Raumfeuchte ist im Winter ideal?
Der HEV Schweiz nennt für die Heizsaison 30–50 % relative Feuchte, an sehr kalten Tagen eher unter 40 %. Ein Hygrometer hilft, die Werte im Blick zu behalten.
Danke für Ihr Feedback! Teilen Sie den Artikel gerne weiter.
Danke! Was hat Ihnen gefehlt? Schreiben Sie uns kurz – wir verbessern den Artikel. WhatsApp


