
Die Wände sind frisch gestrichen, das Zimmer sieht aus wie neu – nur riecht es noch Tage später nach Farbe. Wer den Farbgeruch entfernen möchte, braucht vor allem eines: viel frische Luft und etwas Geduld. Der Geruch stammt von Stoffen, die beim Trocknen aus Farbe, Lack und Grundierung an die Raumluft abgegeben werden.
Im Frühling wird besonders viel renoviert, vor dem Zügeln ebenso wie vor dem Einzug eines Babys. Fünf Tipps zeigen, wie die Luft schneller wieder frisch wird und worauf Sie beim nächsten Anstrich achten.
Warum frisch gestrichene Räume riechen
Farben, Lacke, Verdünner und Klebstoffe geben flüchtige organische Verbindungen (VOC) an die Raumluft ab, manche auch Formaldehyd. Das Bundesamt für Gesundheit weist darauf hin, dass neu gestrichene oder renovierte Räume während Tagen bis Wochen erhöhte VOC-Werte aufweisen, solange Farben und Kleber trocknen. Wie stark und wie lange es riecht, hängt vor allem vom Produkt ab:
| Produkt | Emissionen | Typischer Geruch |
|---|---|---|
| Mineralfarben (Kalk-, Silikatfarbe) | Gering | Schwach, rasch verflogen |
| Lösemittelfreie Dispersionsfarbe | Eher gering | Deutlich, aber kürzer |
| Lösemittelhaltiger Lack | Hoch | Stechend, hält lange an |
| Grundierung, Abtönfarbe, Kleber | Je nach Produkt | Oft unterschätzt |
Ein leichter Geruch ist also normal. Riecht es nach Wochen noch stark, ist etwas nicht in Ordnung: Vielleicht wurde zu dick gestrichen, zu wenig gelüftet oder ein lösemittelhaltiges Produkt verwendet.
1. Farbgeruch entfernen mit Stoss- und Querlüften
Lüften ist die mit Abstand wirksamste Methode, um den Farbgeruch zu entfernen. Öffnen Sie die Fenster ganz, nicht nur gekippt, und schaffen Sie wenn möglich Durchzug quer durch die Wohnung. Das BAG empfiehlt grundsätzlich, die Fenster weit zu öffnen und wenn möglich querzulüften. Lüften Sie mehrmals täglich einige Minuten, in den ersten Tagen nach dem Streichen lieber öfter.
Schon beim Streichen gilt: Fenster auf, Türen zu den übrigen Räumen zu. So verteilt sich der Geruch nicht in der ganzen Wohnung. Schlafen Sie wenn möglich nicht im frisch gestrichenen Zimmer, bis der Geruch weitgehend verflogen ist.
2. Raumtemperatur nicht zu tief halten
Farbe trocknet schneller, wenn der Raum angenehm temperiert ist. In einem kalten Zimmer bleibt sie länger feucht und gibt ihre Stoffe entsprechend länger ab. Heizen Sie im Frühling bei kühlem Wetter also normal weiter und kombinieren Sie das mit regelmässigem Stosslüften, statt die Heizung abzudrehen und die Fenster dauerhaft gekippt zu lassen.
Stellen Sie keine Heizlüfter direkt vor frisch gestrichene Wände. Eine gleichmässige, mässige Wärme genügt – zu starke Hitze kann bei manchen Farben zu Rissen oder Flecken führen. Halten Sie sich an die Trocknungszeiten auf dem Gebinde.
3. Natron, Kaffeesatz und Co.: begrenzte Hilfe
Viele Hausmittel versprechen, den Geruch zu «schlucken»: Schalen mit Natron, Kaffeesatz, Aktivkohle, Salz, halbierte Zwiebeln oder Essigwasser. Natron und Aktivkohle können etwas Geruch binden, der Effekt ist im Vergleich zum Lüften aber gering. Zwiebeln und Essig überdecken den Farbgeruch vor allem mit einem anderen Geruch.
Solche Schalen schaden nicht, wenn Sie sie ausser Reichweite von Kindern und Haustieren aufstellen. Erwarten Sie aber keine Wunder und lüften Sie trotzdem. Auch Duftsprays oder Duftkerzen sind keine Lösung – sie bringen nur zusätzliche Stoffe in die Luft.
4. Beim nächsten Mal emissionsarme Farben wählen
Am einfachsten ist es, Geruch gar nicht erst entstehen zu lassen. Laut BAG geben mineralische Materialien wie Kalk- und Silikatfarben wenig ab, und lösemittelfreie Produkte deutlich weniger als lösemittelhaltige. Achten Sie beim Kauf auf Prüfzeichen, die die Emissionen testen, etwa die Umweltetikette für Farben, natureplus oder den Blauen Engel. Das BAG empfiehlt zudem, bei Renovationen in Eigenregie emissionsarme Produkte zu wählen und sie korrekt anzuwenden.
Tragen Sie Farbe nicht dicker auf als nötig und halten Sie die Wartezeit zwischen zwei Anstrichen ein. Farbspritzer auf Boden, Glas oder Plättli entfernen Sie am besten, solange sie frisch sind – Tipps dazu im Ratgeber Farbspritzer entfernen.
5. Kinderzimmer und Schlafzimmer: Wartezeit einplanen
Kinder, Schwangere und Menschen mit Asthma oder empfindlichen Atemwegen reagieren stärker auf Emissionen. Streichen Sie das Kinderzimmer deshalb nicht erst kurz vor der Geburt oder kurz vor dem Einzug. Das BAG rät, nach dem Streichen und Kleben genug Wartezeit einzuplanen, bevor neue oder renovierte Räume bezogen werden.
Eine feste Frist gibt es nicht, sie hängt von Produkt, Raum und Lüftung ab. Faustregel: Solange Sie Farbe deutlich riechen, schläft niemand im Zimmer. Ziehen Sie in eine frisch renovierte Wohnung, lüften Sie in den ersten Wochen besonders konsequent. Weitere Ursachen für ungewohnte Gerüche nennt der Ratgeber Geruch in der neuen Wohnung.
Wie Sie nach grösseren Arbeiten den feinen Staub aus allen Ecken bekommen, zeigt der Ratgeber Reinigung nach der Renovierung.
Die häufigsten Fehler
- Fenster nur kippen: Gekippte Fenster tauschen die Luft kaum aus und kühlen die Wand aus – besser mehrmals ganz öffnen.
- Heizung abdrehen: Im kalten Raum trocknet die Farbe langsamer, der Geruch hält länger.
- Geruch überdecken: Duftspray, Kerzen oder Zwiebeln lösen das Problem nicht.
- Zu früh einziehen: Gerade ins Kinderzimmer gehören keine frisch gestrichenen Wände, die noch stark riechen.
- Farbreste in den Abfluss: Farbreste gehören nicht ins Lavabo. Wie Sie Reste entsorgen, erfahren Sie bei Ihrer Gemeinde.
Häufige Fragen
Wie lange riecht frische Wandfarbe?
Das hängt vom Produkt, von der Schichtdicke, der Temperatur und vom Lüften ab. Laut BAG sind die VOC-Werte in frisch gestrichenen Räumen während Tagen bis Wochen erhöht. Mit emissionsarmen Farben und konsequentem Querlüften verfliegt der Geruch meist deutlich schneller.
Kann ich in einem frisch gestrichenen Zimmer schlafen?
Besser nicht, solange Sie die Farbe deutlich riechen. Schlafen Sie wenn möglich einige Nächte in einem anderen Raum und lüften Sie das gestrichene Zimmer tagsüber mehrmals gründlich. Für Kinder, Schwangere und Menschen mit Asthma gilt das besonders.
Hilft eine Schale mit Natron gegen Farbgeruch?
Nur wenig. Natron und Aktivkohle binden etwas Geruch, ersetzen aber das Lüften nicht. Zwiebeln oder Essig überdecken den Farbgeruch lediglich. Am schnellsten wird die Luft frisch, wenn Sie die Fenster mehrmals täglich ganz öffnen.
Ist Farbgeruch gesundheitsschädlich?
Der Geruch zeigt, dass Stoffe aus der Farbe an die Raumluft abgegeben werden. Bei manchen Menschen können sie Kopfweh oder gereizte Atemwege auslösen. Lüften Sie gut, wählen Sie emissionsarme Produkte und lassen Sie sich bei anhaltenden Beschwerden ärztlich beraten – dieser Ratgeber ersetzt keine medizinische Abklärung.
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