
Morgens liegen sie eingerollt auf der Kellertreppe, im Bad oder hinter der Balkontür: dunkle, längliche Tierchen mit vielen Beinen. Tausendfüssler im Haus sorgen für Unbehagen, sind aber für Menschen harmlos. Viel wichtiger ist die Frage, warum sie gerade bei Ihnen auftauchen – denn meist steckt Feuchtigkeit dahinter.
Anfang Sommer, nach warmen und regnerischen Tagen, kommen sie besonders oft ins Haus. Hier erfahren Sie, welche Arten Sie antreffen, wie Sie die Tiere ohne Gift loswerden und wie Sie Keller und Bad so trocken halten, dass sie gar nicht erst bleiben.
Warum Tausendfüssler ins Haus kommen
Tausendfüssler leben draussen in Laub, Kompost, Moos und unter Steinen. Sie fressen vor allem abgestorbene Pflanzenteile und sind damit wichtige Helfer bei der Bildung von Humus. Die Umweltberatung Luzern betont, dass sie nützliche Zersetzer und keine Schädlinge sind, sich aber gelegentlich aus unbekannten Gründen massenhaft vermehren. Dann klettern sie nachts an Fassaden hoch oder sterben eingerollt in Kellern.
Ins Haus gelangen sie durch Ritzen, Kellerfenster, Lichtschächte und offene Türen. Drinnen suchen sie feuchte, kühle Orte: Keller, Waschküche, Bad und Räume im Erdgeschoss. In trockener Luft verlieren sie rasch Wasser und sterben – deshalb finden Sie oft tote, eingerollte Tiere.
In der Schweiz begegnen Sie im Haus vor allem diesen Gruppen:
| Art | Aussehen und Verhalten | Einschätzung |
|---|---|---|
| Schnurfüsser | Dunkel, zylindrisch, langsam, rollen sich spiralig ein | Harmlos, zeigen Feuchtigkeit an |
| Steinläufer | Braun, abgeflacht, flink | Harmlos, jagen kleine Insekten |
| Spinnenläufer | Sehr lange Beine, extrem schnell | Für Menschen in der Regel harmlos, jagen Insekten |
Streng genommen gehören Steinläufer und Spinnenläufer zu den Hundertfüssern, im Alltag werden aber alle «Tausendfüssler» genannt. Der Spinnenläufer kommt vor allem in wärmeren Gegenden und in beheizten Gebäuden vor.
1. Tausendfüssler im Haus einsammeln statt bekämpfen
Die Umweltberatung Luzern empfiehlt, die Tiere drinnen täglich mit Schaufel und Besen einzusammeln und mit dem Kehricht zu entsorgen. Alternativ nehmen Sie sie mit dem Staubsauger auf und leeren Beutel oder Behälter danach draussen. Wer die Tiere lieber leben lässt, trägt sie mit einem Glas weit weg vom Haus in ein Beet oder unter eine Hecke.
Zerdrücken Sie Schnurfüsser nicht mit blossen Händen: Manche Arten sondern bei Gefahr eine Flüssigkeit ab, die Flecken auf Boden, Teppich oder Haut hinterlassen kann. Waschen Sie nach dem Einsammeln die Hände.
2. Luftfeuchtigkeit senken
Wo Tausendfüssler sich wohlfühlen, ist es feucht. Das ist das eigentliche Problem – denn dieselbe Feuchtigkeit fördert auch Schimmel. Der Hauseigentümerverband HEV Schweiz empfiehlt, die relative Luftfeuchtigkeit in der Heizperiode zwischen 30 und 50 Prozent zu halten und dreimal täglich 5 bis 10 Minuten mit Durchzug zu lüften, statt Fenster dauerhaft zu kippen. Auch Keller wollen richtig gelüftet sein.
Ein Hygrometer zeigt Ihnen, wie feucht es in Keller und Bad wirklich ist. Wie Sie es richtig platzieren und ablesen, erklärt der Ratgeber Hygrometer richtig nutzen. Weitere Massnahmen finden Sie im Ratgeber Luftfeuchtigkeit senken.
Für feuchte Räume nennt die Umweltberatung Luzern zudem einen Luftentfeuchter oder eine Lampe als Hilfe gegen die Tiere.
3. Ritzen und Einstiege abdichten
Je weniger Öffnungen, desto weniger Besuch. Die Umweltberatung Luzern rät, Ritzen und Löcher abzudichten, durch die die Tiere hineinkommen, und Fenster und Türen geschlossen zu halten, wenn viele unterwegs sind. Prüfen Sie besonders:
- Kellerfenster und Lichtschächte
- Türschwellen zu Garten, Terrasse und Garage
- Fugen an Bodenleisten im Erdgeschoss
- Durchführungen von Leitungen in Keller und Waschküche
Grössere Risse im Mauerwerk oder defekte Türdichtungen melden Sie der Verwaltung oder dem Hauswart.
4. Barrieren draussen und Kieselgur
Bei einer richtigen Invasion helfen Massnahmen ausserhalb des Hauses. Laut Umweltberatung Luzern halten rund 20 Zentimeter hohe, glatte Barrieren entlang der Hauswand die Tiere vom Hochklettern ab. An Stellen, an denen sie sich sammeln, kann Kieselgur aus der Apotheke gestreut werden.
Im Garten selbst müssen Sie Tausendfüssler nicht bekämpfen – dort leisten sie wertvolle Arbeit.
5. Keller und Bad trocken und sauber halten
Tausendfüssler lieben feuchte Verstecke. Nehmen Sie ihnen diese weg:
- Feuchte Kartonschachteln, alte Zeitungen und Textilien aus dem Keller entfernen.
- Laub, Brennholz und Kompost nicht direkt an Hauswand oder Kellerfenster lagern.
- Wäsche nicht wochenlang im feuchten Keller trocknen lassen.
- Nach dem Duschen das Bad gut lüften und nasse Böden trocknen.
- Bodenabläufe in Keller und Waschküche sauber halten.
Auch Ohrwürmer und Asseln suchen feuchte Verstecke – mehr dazu in den Ratgebern Ohrwürmer in der Wohnung und Asseln in der Wohnung.
Häufige Fehler
- Insektenspray im Keller: Gift löst das Feuchtigkeitsproblem nicht und ist gegen Nützlinge unnötig.
- Nur die Tiere entfernen: Ohne trockenere Luft und dichte Ritzen kommen neue nach.
- Fenster dauernd gekippt: Das bringt wenig Luftaustausch und kann feuchte Wände begünstigen.
- Tiere zerdrücken: Das kann Flecken hinterlassen – einsammeln ist sauberer.
Häufige Fragen
Sind Tausendfüssler gefährlich?
Nein. Schnurfüsser und Steinläufer sind für Menschen harmlos. Auch der schnelle Spinnenläufer ist in der Regel harmlos und jagt sogar andere Insekten. Manche Schnurfüsser sondern eine Flüssigkeit ab, die Flecken machen kann – fassen Sie sie deshalb nicht mit blossen Händen an.
Warum habe ich plötzlich so viele Tausendfüssler?
Gelegentlich vermehren sich Tausendfüssler laut Umweltberatung Luzern aus unbekannten Gründen massenhaft. Im Haus sammeln sie sich dort, wo es feucht ist. Prüfen Sie Keller und Bad auf hohe Luftfeuchtigkeit und dichten Sie Einstiege ab.
Können sich Tausendfüssler im Haus vermehren?
In trockenen Wohnräumen kaum: Sie verlieren dort rasch Wasser und sterben. In dauerhaft feuchten Kellern können sie länger überleben. Deshalb ist trockene Luft der wichtigste Schutz.
Was hilft gegen Tausendfüssler ohne Gift?
Einsammeln oder absaugen, Ritzen abdichten, Fenster und Türen bei starkem Auftreten geschlossen halten, Luftfeuchtigkeit senken und feuchtes Material aus dem Keller entfernen. Draussen helfen glatte Barrieren entlang der Hauswand.
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