
Nach dem Winter liegt in vielen Dachrinnen, was Herbststürme und Schnee hinterlassen haben: Laub, Tannennadeln, Zweige, Moos und Schlamm. Beim ersten kräftigen Frühlingsgewitter läuft das Wasser dann über den Rand, klatscht an die Fassade oder staut sich im Fallrohr. Wer die Dachrinne reinigen will oder muss, klärt am besten zuerst zwei Fragen: Wer ist zuständig – und lässt sich die Arbeit überhaupt sicher erledigen?
Dieser Ratgeber zeigt, wann eine Reinigung fällig ist, wie sie bei niedrigen Rinnen gelingt und wann Fachleute gefragt sind. Er ersetzt keine Rechtsberatung: Massgebend sind Mietvertrag, Hausordnung und Reglement.
Warum eine verstopfte Dachrinne teuer werden kann
Die Dachrinne sammelt das Regenwasser vom Dach und leitet es über das Fallrohr ab. Ist sie verstopft, läuft das Wasser über. Es durchnässt Fassade und Sockel, spritzt an Fenster und Storen und kann in Kellerwände eindringen. Nasses Laub ist schwer; zusammen mit Eis und Schnee belastet es die Rinnenhalter. Im Winter gefriert stehendes Wasser zu Eisblöcken, und in der Humusschicht keimen bald die ersten Pflanzen.
| Anzeichen | Mögliche Ursache |
|---|---|
| Wasser schwappt bei Regen über den Rand | Rinne oder Ablauf verstopft |
| Pflanzen oder Moos wachsen aus der Rinne | Laub und Erde haben sich abgelagert |
| Gluckern oder Wasser an den Rohrverbindungen | Verstopfung im Fallrohr |
| Rinne hängt durch, Wasser bleibt stehen | Verbogene Halter oder falsches Gefälle |
| Nasse Stellen an Fassade oder Sockel | Überlaufen oder undichte Naht |
1. Wer ist für die Dachrinne zuständig?
Die Dachrinne gehört zum Gebäude, und für dessen Unterhalt ist grundsätzlich die Eigentümerschaft verantwortlich. Mieterinnen und Mieter müssen nach Art. 259 OR Mängel, die sich durch kleine Reinigungen oder Ausbesserungen beheben lassen, nach Ortsgebrauch selbst beseitigen. Eine Rinne in mehreren Metern Höhe zu leeren, dürfte kaum darunterfallen – verbindlich ist aber, was im Vertrag steht.
| Situation | In der Regel zuständig |
|---|---|
| Wohnung im Mehrfamilienhaus | Eigentümerschaft oder Verwaltung, meist über Hauswart oder Fachbetrieb |
| Gemietetes Einfamilienhaus | Vermieterseite, sofern der Vertrag die Pflege nicht dem Mieter überträgt |
| Stockwerkeigentum | Die Gemeinschaft; die Verwaltung organisiert die Arbeiten |
| Eigenes Haus | Die Eigentümerin oder der Eigentümer |
| Gartenhaus oder Velounterstand im Mietobjekt | Je nach Vertrag – im Zweifel bei der Verwaltung nachfragen |
Sehen Sie als Mieter, dass eine Rinne überläuft, melden Sie es der Verwaltung oder dem Hauswart, am besten mit Foto. In vielen Liegenschaften gehört die Kontrolle ins Pflichtenheft des Hauswarts.
2. Wann reinigen: Frühling und Herbst
Kontrollieren Sie die Dachrinne mindestens einmal im Jahr. Stehen Laub- oder Nadelbäume in der Nähe, lohnt sich eine Reinigung zweimal jährlich: im Frühling, wenn Winterstürme Äste und Nadeln hinterlassen haben, und im Spätherbst, wenn das Laub gefallen ist. Nach heftigen Stürmen schauen Sie zusätzlich nach. Gearbeitet wird an einem trockenen, windstillen Tag ohne Frost. Eine vereiste Rinne sollten Sie nicht freihacken, das beschädigt das Blech.
3. Sicherheit: Leiter oder Fachbetrieb?
Selbst reinigen sollten Sie nur Rinnen, die Sie von einer sicher stehenden Leiter aus bequem erreichen, etwa an Gartenhaus, Carport, Garage oder einem eingeschossigen Anbau. Die BFU empfiehlt bei Stehleitern unter anderem tiefe, rutschfeste Stufen, rutschfeste Füsse und eine Sicherung gegen das Zusammenklappen.
- Leiter auf festem, ebenem Untergrund aufstellen und nie an die Rinne lehnen – sie kann sich verbiegen.
- Nicht seitlich hinauslehnen, sondern die Leiter lieber öfter verschieben.
- Eine zweite Person sichert die Leiter und reicht Eimer und Werkzeug.
- Feste Schuhe mit gutem Profil, Handschuhe und eine Schutzbrille tragen.
4. Schritt für Schritt: Dachrinne und Fallrohr reinigen
- Eimer oder Plane unter den Arbeitsbereich stellen, Handschuhe und Schutzbrille anziehen.
- Laub, Nadeln und Schlamm von Hand oder mit einer Rinnenschaufel herausheben – nicht in Richtung Fallrohr schieben.
- Laubfang oder Sieb am Ablauf leeren und ausspülen.
- Die Rinne mit dem Gartenschlauch vom entfernten Ende her nachspülen und prüfen, ob das Wasser zügig abfliesst.
- Am Fallrohr die Reinigungsöffnung oder den Regensammler öffnen, falls vorhanden, und Ablagerungen entfernen.
- Halter, Nähte und Ablauf auf Rost, Risse und Lecks prüfen und Schäden der Verwaltung oder einem Spengler melden.
Bleibt Wasser in der Rinne stehen, stimmt oft das Gefälle nicht. Ist das Fallrohr weit unten oder im Boden verstopft, braucht es einen Fachbetrieb.
Verzichten Sie auf Reinigungsmittel und Chemie. Moos- und Algenvernichter sowie Unkrautvertilger dürfen nach der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung auf Dächern und in Dachrinnen nicht eingesetzt werden, weil Rückstände in Gewässer gelangen – das Verbot gilt auch für Private. Mechanisch entfernen ist die Alternative. Das Laub gehört ins Grüngut oder auf den Kompost, nicht ins Fallrohr oder in einen Schacht. Mehr zur Entsorgung im Ratgeber Laub entfernen.
5. Vorbeugen: Laubschutz und regelmässige Kontrolle
Laubschutzgitter oder Rinnenbürsten halten grobes Laub zurück, Laubfangkörbe schützen das Fallrohr. Ganz wartungsfrei ist aber keine Lösung: Nadeln, Samen und feiner Schmutz gelangen trotzdem hinein, und auf den Gittern bleibt Laub liegen. Auch geschützte Rinnen gehören deshalb regelmässig kontrolliert. Überhängende Äste zurückzuschneiden, verringert den Laubeintrag – im Mietshaus ist das Sache der Eigentümerschaft. Wer vertraglich Arbeiten rund ums Haus übernommen hat, findet weitere Antworten im Ratgeber Umgebungsarbeiten und Mieter.
Häufige Fehler beim Dachrinne reinigen
- Allein auf der Leiter: Niemand sichert die Leiter oder holt Hilfe, wenn etwas passiert.
- Die Leiter an die Rinne lehnen: Die Rinne verbiegt sich, die Leiter kann wegrutschen.
- Moosentferner oder Reiniger einsetzen: Rückstände gelangen mit dem Regenwasser in Gewässer.
- Laub ins Fallrohr spülen: Die Verstopfung wandert nur weiter nach unten.
- Nur die Rinne, nicht das Fallrohr prüfen: Der Stau kommt beim nächsten Regen wieder.
Häufige Fragen
Wie oft muss man die Dachrinne reinigen?
Mindestens einmal im Jahr kontrollieren und bei Bedarf reinigen. Mit Bäumen in der Nähe ist eine Reinigung im Frühling und nach dem Laubfall im Herbst sinnvoll, nach starken Stürmen zusätzlich eine Kontrolle.
Muss ich als Mieter die Dachrinne reinigen?
In der Regel nicht. Mieter müssen nach Art. 259 OR nur kleine Reinigungen und Ausbesserungen nach Ortsgebrauch übernehmen. Ob beim gemieteten Einfamilienhaus mehr dazugehört, regelt der Mietvertrag. Arbeiten mit Absturzgefahr sollten Sie ohnehin nicht selbst ausführen – melden Sie eine volle Rinne der Verwaltung.
Darf ich Moosentferner in der Dachrinne verwenden?
Nein. Mittel gegen Algen und Moos sowie Unkrautvertilger sind auf Dächern und in Dachrinnen verboten, weil Rückstände in Gewässer gelangen. Das gilt auch für Privatpersonen. Moos und Schmutz werden mechanisch entfernt.
Lohnen sich Laubschutzgitter?
Sie halten grobes Laub zurück und verlängern die Abstände zwischen den Reinigungen. Feiner Schmutz, Nadeln und Samen gelangen aber trotzdem in die Rinne, und auf dem Gitter bleibt Laub liegen. Eine regelmässige Kontrolle bleibt deshalb nötig.
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