
Die Kündigung ist durch, die neue Wohnung unterschrieben, die Zügelkisten stapeln sich. Und dann kommt die Frage, die fast alle Mieterinnen und Mieter in der Schweiz beschäftigt: Soll ich die Umzugsreinigung selber machen oder eine Reinigungsfirma beauftragen?
Wir sind selbst eine Reinigungsfirma – und sagen trotzdem ehrlich: Es gibt Situationen, in denen die Endreinigung in Eigenregie gut funktioniert. Und es gibt Situationen, in denen sie am Ende mehr kostet, als sie spart. Die folgenden fünf Entscheidungshilfen sollen Ihnen helfen, das für Ihren Fall realistisch einzuschätzen.
Was bei der Wohnungsabgabe überhaupt verlangt wird
Grundsätzlich müssen Sie die Wohnung so reinigen, wie es im Mietvertrag vereinbart ist. Der Mieterinnen- und Mieterverband erklärt im Merkblatt zur Auszugsreinigung, dass ohne besondere Regelung die Wohnung samt Nebenräumen wie Keller, Estrich und Briefkasten gründlich zu reinigen ist. Klauseln, die zwingend eine Reinigungsfirma vorschreiben, sind laut Merkblatt nicht verbindlich.
Aus Sicht der Vermieterseite nennt der Hauseigentümerverband im Beitrag zur Wohnungsabgabe die typischen Punkte: Fenster innen und aussen inklusive Rahmen, Storen und Rollläden, Kochherd, Backofen, Kühlschrank, fettfreier Dampfabzug, entkalktes Bad und WC sowie saubere Böden.
Sie dürfen also selbst reinigen. Die Frage ist nur, ob das Ergebnis bei der Abnahme besteht.
1. Wie viel Zeit haben Sie wirklich?
Die Endreinigung einer ganzen Wohnung ist kein normaler Hausputz. Jeder Schrank wird innen gereinigt, jede Fensterfalz, jede Storenlamelle, jeder Heizkörper. In unserem Alltag sehen wir, dass selbst gut organisierte Menschen den Aufwand deutlich unterschätzen – bei einer grösseren Wohnung ist man schnell mehrere volle Tage beschäftigt.
Stellen Sie sich diese Fragen:
- Ist die Wohnung am Reinigungstag bereits vollständig leer?
- Liegt der Umzug nicht am selben Tag wie die Reinigung?
- Haben Sie Ferien oder freie Tage eingeplant?
- Gibt es Personen, die zuverlässig mithelfen?
Wenn Sie mehrere Fragen mit Nein beantworten, wird das Selbermachen zum Stressfaktor.
2. Haben Sie Material und Know-how für die kritischen Stellen?
Böden wischen kann jede und jeder. Bei der Abnahme schauen Verwaltungen aber vor allem auf andere Stellen:
| Kritischer Punkt | Was oft beanstandet wird |
|---|---|
| Backofen und Bleche | Eingebrannte Fettrückstände, Glas der Backofentür |
| Dampfabzug | Fettfilm, nicht gereinigte Metallfilter |
| Bad und WC | Kalk an Armaturen, Urinstein, Silikonfugen |
| Fenster und Storen | Streifen, verschmutzte Rahmen und Lamellen |
| Küchenschränke | Fettfilm an Fronten, Krümel in Schubladen |
| Nebenräume | Vergessener Keller oder Estrich |
Dazu kommen Werkzeug und Mittel: Abzieher, Einwascher, Leiter, Entkalker, Backofenreiniger, Mikrofasertücher in Mengen. Wer das nicht zu Hause hat, muss es kaufen. Anleitungen zu einzelnen Punkten finden Sie in unseren Ratgebern, etwa zum Backofen reinigen.
3. Wie hoch ist Ihr Abnahmerisiko?
Das ist der wichtigste Punkt. Bei der Abgabe wird die Wohnung gemeinsam kontrolliert. Stellt die Verwaltung fest, dass nicht ausreichend gereinigt wurde, gibt es in der Regel zwei Möglichkeiten: Sie reinigen nach – oft unter grossem Zeitdruck, weil die Nachmieter bereits warten – oder die Verwaltung lässt eine Reinigungsfirma kommen und stellt die Kosten in Rechnung.
Ihr Risiko ist eher tief, wenn:
- die Wohnung klein und gut gepflegt ist,
- Sie bereits Erfahrung mit Wohnungsabgaben haben,
- zwischen Reinigung und Abgabe genug Zeit für Korrekturen bleibt.
Ihr Risiko ist eher hoch, wenn:
- Backofen, Kalk oder Fenster lange nicht gründlich gereinigt wurden,
- die Wohnung gross ist oder viele Fenster und Storen hat,
- Umzug, Reinigung und Abgabe auf wenige Tage fallen.
4. Was können Sie körperlich und sicherheitstechnisch leisten?
Eine Endreinigung ist körperlich anstrengend: stundenlanges Bücken, Knien und Arbeiten über Kopf. Dazu kommen Leitern für Oberschränke, Lampen und Fenster. Die BFU empfiehlt im Ratgeber Putzen – weniger Hektik, mehr Sicherheit, grosse Putzaktionen zu planen, Pausen einzulegen und stabile Leitern statt Stühlen zu verwenden.
Gerade an einem Umzugstag, an dem man ohnehin müde ist, passieren Unfälle leichter. Wer gesundheitlich eingeschränkt ist, allein zügelt oder kleine Kinder betreut, sollte das ehrlich in die Rechnung einbeziehen.
5. Kosten gegen Nutzen: Was ist Ihnen die Sicherheit wert?
Selbermachen spart die Rechnung der Reinigungsfirma. Dem stehen aber auch Kosten gegenüber: Reinigungsmittel und Werkzeug, freie Tage, allenfalls ein Transport für Material – und im ungünstigsten Fall die Kosten einer Nachreinigung.
Der Preis einer professionellen Umzugsreinigung hängt vor allem ab von:
- Grösse der Wohnung und Anzahl Zimmer,
- Zustand, insbesondere Küche, Bad und Kalk,
- Anzahl Fenster, Storen und Rollläden,
- Nebenräumen wie Keller, Estrich, Balkon oder Garage.
Genaueres dazu erklären wir im Ratgeber zu den Kosten einer Umzugsreinigung.
Was eine Abnahmegarantie bedeutet
Viele Reinigungsfirmen bieten eine Abnahmegarantie an – so auch wir. Bei Priority Clean heisst das konkret:
- Wir reinigen nach der Checkliste der Verwaltung.
- Wir sind bei der Wohnungsabgabe dabei.
- Wird etwas beanstandet, reinigen wir kostenlos nach.
Damit liegt das Risiko einer Beanstandung nicht mehr bei Ihnen. Wie das im Detail abläuft, zeigt unser Ratgeber Abnahmegarantie erklärt.
Die ehrliche Kurzfassung
| Situation | Unsere Einschätzung |
|---|---|
| Kleine, gepflegte Wohnung, viel Zeit, Erfahrung | Selbermachen ist gut machbar |
| Mittlere Wohnung, knapper Zeitplan | Mischform prüfen oder Firma beauftragen |
| Grosse Wohnung, viele Fenster, Kalk und Backofen anspruchsvoll | Firma mit Abnahmegarantie lohnt sich meist |
| Abgabe am Umzugstag oder direkt danach | Firma beauftragen, um Stress zu vermeiden |
Häufige Fehler bei der selbst gemachten Endreinigung
- Zu spät anfangen: Die Reinigung am Abend vor der Abgabe reicht fast nie.
- Nebenräume vergessen: Keller, Estrich und Briefkasten gehören dazu.
- Nicht leer reinigen: Wer um Kisten herumputzt, muss nachher nochmals.
- Keine Checkliste: Unterlagen der Verwaltung ignorieren.
- Falsche Mittel: Säure auf Naturstein oder Scheuermittel auf Glaskeramik verursachen Schäden, die teurer sind als die Reinigung.
Häufige Fragen
Darf ich die Umzugsreinigung selber machen?
Ja. Sofern im Mietvertrag nichts anderes gültig vereinbart ist, dürfen Sie selbst reinigen. Entscheidend ist, dass die Wohnung bei der Abgabe dem vereinbarten Zustand entspricht. Klauseln, die zwingend eine Reinigungsfirma vorschreiben, sind laut Mieterverband nicht verbindlich.
Was passiert, wenn die Verwaltung die Reinigung nicht akzeptiert?
In der Regel müssen Sie nachreinigen oder die Verwaltung beauftragt eine Firma und verrechnet die Kosten. Halten Sie Beanstandungen im Abgabeprotokoll genau fest und unterschreiben Sie nichts, womit Sie nicht einverstanden sind.
Wie lange dauert eine Endreinigung selber?
Das hängt von Grösse und Zustand der Wohnung ab. Selbst kleinere Wohnungen brauchen erfahrungsgemäss einen ganzen Tag, grössere mehrere Tage. Planen Sie immer Reserve für Korrekturen ein.
Lohnt sich eine Umzugsreinigung mit Abnahmegarantie?
Vor allem dann, wenn die Zeit knapp ist, die Wohnung gross ist oder Küche, Bad und Fenster aufwendig sind. Die Garantie nimmt Ihnen das Risiko einer Nachreinigung am Abgabetag ab.
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