
Früher kam die Unterwäsche selbstverständlich in die Kochwäsche. Heute zeigt der Temperaturwähler meist auf 30 oder 40 Grad – und viele fragen sich, ob das wirklich sauber genug ist. Beim Unterwäsche waschen hängt die richtige Temperatur von drei Dingen ab: vom Material, vom Waschmittel und davon, ob jemand im Haushalt krank ist.
Die gute Nachricht: Für gesunde Menschen und Alltagswäsche braucht es selten 60 °C. Fünf Regeln zeigen, wann 30, 40 oder 60 Grad passen, was Spitze und Mikrofaser vertragen und warum Hygienespüler meist überflüssig sind.
Warum die Temperatur bei Unterwäsche eine Rolle spielt
Unterwäsche liegt direkt auf der Haut. Sie nimmt Schweiss, Hautschuppen und Körperausscheidungen auf – und damit auch Bakterien und Pilze. Ob diese im Waschgang verschwinden, hängt nicht allein von der Hitze ab. Genauso wichtig sind das Waschmittel, genug Wasser in der Trommel und ein gründliches Trocknen.
Zu heiss hat allerdings seinen Preis: Elastan leiert aus, Spitze wird rau, Farben verblassen, und Mikrofaser verliert ihre glatte Oberfläche. Wer alles bei 60 Grad wäscht, ersetzt seine Unterwäsche deshalb schneller als nötig. Dazu kommt der Strom: Jedes Grad mehr kostet Energie.
| Material | Übliche Temperatur | Programm |
|---|---|---|
| Weisse Baumwolle (Slips, Unterhemden) | 40 °C, bei Krankheit 60 °C | Buntwäsche oder Koch-/Buntwäsche |
| Farbige Baumwolle | 40 °C | Buntwäsche mit Colorwaschmittel |
| Mikrofaser, Modal, Elastan-Mix | 30 °C | Pflegeleicht oder Fein |
| Spitze, Seide, Shapewear | 30 °C oder Handwäsche | Fein-/Handwaschprogramm im Wäschenetz |
| Sportunterwäsche (Funktionsfaser) | 30–40 °C | Sport- oder Feinprogramm, ohne Weichspüler |
1. Das Pflegeetikett lesen
Die Zahl im Waschbottich auf dem Etikett ist die höchste erlaubte Temperatur – nicht die empfohlene. Ein Balken darunter bedeutet ein schonendes Programm, zwei Balken ein besonders schonendes. Was die einzelnen Symbole in der Praxis heissen, erklärt der Pflegesymbol-Index von GINETEX, der Organisation hinter den Symbolen. Dort steht auch, dass Handwäsche höchstens 40 °C bedeutet und die Wäsche dabei nicht gerieben oder gewrungen werden soll.
Eine ausführliche Übersicht finden Sie im Ratgeber Waschsymbole verstehen. Steht auf einem Slip nur 30 °C, halten Sie sich daran – auch wenn Sie gern heisser waschen würden.
2. Alltag: 40 °C mit gutem Waschmittel
Für die Unterwäsche gesunder Erwachsener genügt in der Regel ein 40-Grad-Programm. Entscheidend ist das Waschmittel: Ein Vollwaschmittel in Pulverform enthält meist Bleichmittel auf Sauerstoffbasis, das auch bei mittleren Temperaturen gut gegen Bakterien und Gerüche wirkt. Für farbige Unterwäsche nehmen Sie ein Colorwaschmittel und waschen weisse und farbige Teile getrennt.
Tiefere Temperaturen sparen Energie. EnergieSchweiz empfiehlt, möglichst bei 20 bis 30 °C, im Eco-Programm und mit voller Trommel zu waschen – und die Waschmittelmenge bei tiefen Temperaturen nicht zu erhöhen. Für Unterwäsche heisst das: Feines ruhig kühl waschen, Baumwolle im Alltag bei 40 Grad und nur bei Bedarf heisser.
3. Bei Krankheit: 60 °C für waschbare Baumwolle
Anders sieht es aus, wenn jemand im Haushalt krank ist. Bei Magen-Darm-Infekten, Pilzinfektionen der Haut oder im Intimbereich oder wenn jemand gepflegt wird, waschen Sie Unterwäsche, Pyjamas und Handtücher bei 60 °C – sofern das Etikett es erlaubt. Waschen Sie diese Wäsche separat und stopfen Sie die Trommel nicht zu voll.
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) beschreibt Noroviren als sehr ansteckend und über Hände und verunreinigte Gegenstände übertragbar; gründliches Händewaschen mit Seife ist die wichtigste Massnahme. Tragen Sie beim Einfüllen verschmutzter Wäsche Handschuhe oder waschen Sie danach sofort die Hände.
4. Spitze, Mikrofaser und Shapewear schonend waschen
Feine Unterwäsche mag es kühl und ruhig. Waschen Sie Spitzenslips, Bodys und Modelle aus Mikrofaser bei 30 °C im Fein- oder Handwaschprogramm, am besten in einem Wäschenetz. Haken schliessen, damit nichts hängen bleibt, und die Trommel nur halb füllen. Ein Feinwaschmittel ohne Bleiche schont Farben und Fasern.
Für BH gelten eigene Regeln rund um Bügel und Schalen – mehr dazu im Ratgeber BH waschen. Periodenunterwäsche braucht ebenfalls eine besondere Behandlung: Sie wird vor dem Waschen kalt ausgespült; Details stehen im Beitrag Periodenunterwäsche waschen.
Weichspüler lassen Sie bei Funktions- und Sportunterwäsche weg. Er legt sich auf die Fasern und kann die Fähigkeit mindern, Feuchtigkeit abzuleiten.
5. Richtig trocknen und Hygienespüler hinterfragen
Nach dem Waschen gehört Unterwäsche möglichst rasch auf die Leine oder den Ständer, gut ausgebreitet und nicht übereinander. Baumwolle darf je nach Etikett in den Tumbler, Spitze, Elastan und Shapewear trocknen besser an der Luft, weil Wärme das Material altern lässt.
Hygienespüler versprechen keimfreie Wäsche auch bei tiefen Temperaturen. Im normalen Haushalt mit gesunden Menschen sind sie aber kaum nötig: Ein passendes Waschmittel, die richtige Temperatur und vollständiges Trocknen reichen aus. Die zusätzlichen Wirkstoffe belasten Abwasser und können empfindliche Haut reizen. Sinnvoller ist ein regelmässiger Heisswaschgang für die Maschine selbst – wie das geht, zeigt der Ratgeber Waschmaschine reinigen.
Häufige Fehler beim Unterwäsche waschen
- Alles bei 60 Grad: Schadet Elastan und Spitze und bringt bei gesunden Menschen kaum mehr Hygiene als 40 °C mit gutem Waschmittel.
- Colorwaschmittel für weisse Baumwolle: Ohne Bleiche wird Weisses mit der Zeit grau und nimmt Gerüche leichter an.
- Überfüllte Trommel: Die Wäsche wird nicht richtig durchspült, Waschmittelreste bleiben im Stoff.
- Feuchte Wäsche im Korb: Stundenlang feucht liegende Unterwäsche beginnt zu riechen, bevor sie überhaupt gewaschen wird.
Häufige Fragen
Reichen 40 Grad für Unterwäsche?
Für die Unterwäsche gesunder Erwachsener in der Regel ja, wenn Sie ein gutes Vollwaschmittel verwenden und die Trommel nicht überladen. Bei farbiger Unterwäsche nehmen Sie ein Colorwaschmittel und waschen im Zweifel etwas öfter.
Wann sollte man Unterwäsche bei 60 Grad waschen?
Wenn jemand im Haushalt einen Magen-Darm-Infekt oder eine Pilzinfektion hat oder gepflegt wird. Dann waschen Sie waschbare Baumwolle separat bei 60 °C – vorausgesetzt, das Pflegeetikett erlaubt diese Temperatur.
Braucht es einen Hygienespüler?
Im normalen Haushalt meist nicht. Die richtige Temperatur, ein passendes Waschmittel und vollständiges Trocknen genügen. Bei besonderen gesundheitlichen Situationen fragen Sie besser Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Kann ich Unterwäsche mit Handtüchern zusammen waschen?
Ja, wenn Farbe und Temperatur passen, zum Beispiel weisse Baumwolle bei 40 oder 60 °C. Feine Spitze gehört dagegen nicht zu Handtüchern, weil deren Frottee an zarten Stoffen reibt.
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