
Früher galt: Was sauber werden soll, muss heiss gewaschen werden. Heute bieten fast alle Maschinen ein Programm mit 20 °C, und viele Waschmittel werben mit Kraft bei tiefen Temperaturen. Waschen bei 20 Grad spart tatsächlich Energie und schont Farben und Fasern – aber es passt nicht zu jeder Ladung.
Fünf Regeln helfen Ihnen zu entscheiden, wann kühl genügt, wann Sie besser auf 40 oder 60 °C stellen und wie Sie Ihre Maschine trotz kühler Programme sauber halten.
Warum Waschen bei 20 Grad Energie spart
Eine Waschmaschine braucht Strom für den Motor, die Pumpe und die Elektronik. Den weitaus grössten Anteil verbraucht aber die Heizung, die das kalte Leitungswasser auf die gewählte Temperatur bringt. Je tiefer Sie die Temperatur einstellen, desto weniger muss geheizt werden.
EnergieSchweiz empfiehlt deshalb, möglichst mit tiefen Temperaturen von 20 bis 30 °C, im Eco-Programm und mit voller Trommel zu waschen – und dabei die Waschmittelmenge nicht zu erhöhen. Tiefe Temperaturen haben weitere Vorteile: Farben bleichen weniger aus, Kleider laufen seltener ein, und elastische Fasern halten länger.
Dass Kleidung auch kühl sauber wird, liegt vor allem an modernen Waschmitteln. Viele enthalten Enzyme und Tenside, die schon bei tiefen Temperaturen wirken. Ob Ihr Mittel dafür geeignet ist, steht meist auf der Packung.
1. Pflegeetikett und Verschmutzung prüfen
Das Pflegeetikett nennt die höchste zulässige Temperatur. Diese dürfen Sie jederzeit unterschreiten, nie überschreiten. Entscheidend für die Wahl ist dann der Verschmutzungsgrad:
- Leicht verschmutzt: einmal getragene T-Shirts, Hemden, Hosen, Pullover ohne sichtbare Flecken – ideal für 20 Grad.
- Normal verschmutzt: mehrere Tage getragene Kleidung, leichte Flecken – 20 bis 30 °C mit Vorbehandlung der Flecken, bei Bedarf 40 °C.
- Stark verschmutzt: Arbeitskleidung, Sportkleidung mit starkem Geruch, Küchentücher, Putzlappen – hier reichen tiefe Temperaturen oft nicht.
Einzelne Flecken behandeln Sie besser gezielt vor, statt die ganze Ladung heisser zu waschen. Fett, Make-up und Kragenränder lassen sich mit etwas Flüssigwaschmittel oder Gallseife vorbehandeln.
2. Das passende Waschmittel wählen
Bei tiefen Temperaturen spielt das Waschmittel eine grössere Rolle als bei 60 °C, weil die Hitze als Helfer fehlt.
- Flüssigwaschmittel löst sich bei 20 Grad gut auf und eignet sich für Buntes und Dunkles.
- Pulver löst sich in kaltem Wasser manchmal schlechter und kann weisse Rückstände hinterlassen, besonders bei voller Trommel.
- Vollwaschmittel mit Bleiche entfaltet seine volle Wirkung erst bei höheren Temperaturen und ist eher für Weisses und Hygienewäsche gedacht.
Dosieren Sie nach Wasserhärte, Verschmutzung und Beladung, nicht nach Temperatur. Wie das geht, zeigt der Ratgeber Waschmittel dosieren.
3. Diese Textilien vertragen 20 Grad gut
Für einen grossen Teil der Alltagskleidung genügt die tiefe Temperatur völlig. Die folgende Übersicht dient als Orientierung – massgebend bleibt das Pflegeetikett.
| Textil | 20 °C geeignet? | Empfehlung |
|---|---|---|
| T-Shirts, Hemden, Blusen, Hosen | Ja, bei leichter Verschmutzung | Flecken vorbehandeln |
| Jeans und dunkle Kleidung | Ja | Auf links drehen, Flüssigwaschmittel |
| Pullover, Synthetik, Sportkleidung | Meist ja | Bei starkem Geruch 30–40 °C, falls erlaubt |
| Wolle und Seide | Ja, im Spezialprogramm | Fein- oder Wollwaschmittel |
| Handtücher, Bettwäsche | Nur ab und zu | Regelmässig 60 °C |
| Unterwäsche, Socken | Bedingt | Mindestens 40 °C, bei Krankheit 60 °C |
| Küchentücher, Putzlappen | Nein | 60 °C oder heisser, falls erlaubt |
4. Hier reicht Waschen bei 20 Grad nicht
Tiefe Temperaturen entfernen Schmutz, töten aber nicht alle Keime ab. Bei Textilien mit viel Hautkontakt, Feuchtigkeit oder Kontakt mit Lebensmitteln lohnt sich deshalb ein heisserer Durchgang:
- Handtücher und Waschlappen bleiben lange feucht und fangen sonst an zu riechen.
- Bettwäsche nimmt Schweiss und Hautschuppen auf. Wie oft und wie heiss, erklärt der Ratgeber Bettwäsche waschen.
- Unterwäsche und Socken vertragen meist 40 bis 60 °C – beachten Sie das Etikett.
- Küchentücher und Putzlappen kommen mit Lebensmittelresten und Schmutz in Kontakt.
Besonders wichtig ist die Temperatur bei Krankheit. Das Bundesamt für Gesundheit beschreibt Noroviren als sehr ansteckend, übertragbar über Hände und verunreinigte Gegenstände und auf Oberflächen während mehr als 12 Tagen infektiös. Waschen Sie Bettwäsche, Handtücher und Kleidung einer erkrankten Person deshalb separat und so heiss, wie das Pflegeetikett es erlaubt, und waschen Sie sich nach dem Einfüllen gründlich die Hände. Weitere Massnahmen finden Sie im Ratgeber Magen-Darm-Grippe: Wohnung richtig reinigen. Dieser Ratgeber ersetzt keine medizinische Beratung.
Auch nach Reisen kann eine hohe Temperatur nötig sein: Das Bundesamt für Umwelt rät bei Verdacht auf Bettwanzen, Kleider bei 60 °C zu waschen oder mehrere Tage bei −18 °C einzufrieren.
5. Die Maschine regelmässig heiss laufen lassen
Wer fast nur bei 20 bis 30 °C und mit Flüssigwaschmittel wäscht, fördert Beläge in Trommel, Laugenbehälter und Schläuchen. Waschmittelreste, Hautfett und Fusseln bilden einen schmierigen Film, in dem sich Bakterien wohlfühlen. Die Folge ist ein muffiger Geruch in Maschine und Kleidung.
Planen Sie deshalb etwa einmal im Monat einen Durchgang mit 60 °C und Vollwaschmittel in Pulverform ein, zum Beispiel mit Handtüchern oder Bettwäsche. Alternativ lassen Sie die leere Maschine im heissesten Programm laufen. Lassen Sie nach dem Waschen die Tür und die Einspülkammer offen, damit alles trocknen kann. Mehr dazu in den Ratgebern Waschmaschine reinigen und Wäsche riecht muffig.
Die häufigsten Fehler
- Alles bei 20 °C: Handtücher und Küchentücher werden so auf Dauer muffig.
- Mehr Waschmittel bei tiefer Temperatur: laut EnergieSchweiz nicht nötig – es bleiben nur mehr Rückstände zurück.
- Kurzprogramm für normal verschmutzte Kleidung: zu wenig Zeit und zu wenig Wärme.
- Nie ein heisses Programm: Die Maschine selbst bildet Beläge und beginnt zu riechen.
Häufige Fragen
Wird Kleidung bei 20 Grad wirklich sauber?
Leicht bis normal verschmutzte Alltagskleidung wird mit einem geeigneten Waschmittel und einem ausreichend langen Programm in der Regel gut sauber. Bei starker Verschmutzung, Gerüchen oder Hygienewäsche braucht es höhere Temperaturen.
Ist 20 oder 30 Grad besser?
Beide Temperaturen sparen im Vergleich zu 40 oder 60 °C viel Energie. 30 °C kann bei etwas stärker verschmutzter Kleidung oder Pulverwaschmittel die sicherere Wahl sein, 20 °C genügt für leicht getragene Stücke.
Tötet Waschen bei 20 Grad Bakterien ab?
Nicht zuverlässig. Tiefe Temperaturen entfernen vor allem Schmutz. Für Handtücher, Bettwäsche, Unterwäsche und Textilien von kranken Personen empfiehlt sich deshalb ein Programm mit 60 °C, sofern das Pflegeetikett es zulässt.
Wie oft sollte die Maschine heiss laufen?
Etwa einmal im Monat ein Programm mit 60 °C und Vollwaschmittel in Pulverform reicht meist, um Beläge und Geruch zu verhindern. Wer ohnehin regelmässig Handtücher heiss wäscht, erledigt das automatisch.
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